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"Dramen" - Ein Bühnenstück in drei Akten

Geschrieben von: Ulrich Geilmann Freitag, den 12. Februar 2010

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"Dramen" - Ein Bühnenstück in drei Akten
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Ulrich Geilmann Prolog

Eigentlich hätte es mir ja zu denken geben müssen. Sonst gab es im Vorfeld der Bundesligakämpfe immer irgendwelches Chaos. Entweder waren reihenweise Spielabsagen an der Tagesordnung oder es traten organisatorische Probleme auf.

Diesmal lief im Vorfeld jedoch alles erstaunlich glatt. Alle Spieler meldeten sich zeitig an, keine sonstigen Anreiseprobleme, nix zu meckern… Komisch!

1. Akt (Freitag, den 05.02.2010)

Am Freitag lag die 7. Runde an. Aus naheliegenden organisatorischen Gründen hatte unser Reisepartner den Wettkampf in sein mit viel Liebe in Eigenleistung gebautes Vereinsheim gelegt. Eine gute Entscheidung. Die Mannschaften spielten dabei in einem abgeschlossenen (fast schalldichten) Raum mit guten Lichtverhältnissen. Ein Vorraum, in dem auch eine Live-Übertragung der Partien stattfand, bot genug Platz für die gute Zuschauerkulisse. Und dass die Verpflegung nebst freundlicher Betreuung wie immer vorbildlich war, versteht sich eigentlich in Mülheim von selbst.

Eigentlich konnte also nichts schief gehen…

Um 15.30 Uhr erfolgte dann die obligatorische Mannschaftsmeldung. Wirkliche Überraschungen konnte ich nicht entdecken.

Brett SV Mülheim-Nord SF Katernberg
1 Vachier-Lagrave Chuchelov
2 Landa Firman
3 Fridman Seel
4 Berelovich Bischoff
5 Levin Glek
6 Hausrath Ris
7 Saltaev Thesing
8 Schebler Dr. Scholz

Es muss nicht sonderlich betont werden, dass sich unser Reisepartner trotz einer vergleichweise etwas geschwächten Aufstellung eindeutig in der Favoritenrolle befand, auch wenn mein Mannschaftsführerkollege Heinz Schmitz bei unserer Begrüßung beteuerte, dass Mülheim zuhause bislang immer gegen Katernberg verloren habe. Das unvermeidliche Understatement unserer Schachfreunde…

Was soll ich sagen? Unsere Mannschaft lief dann auch tatsächlich vollständig und super pünktlich auf. Erstaunlich! Und dass, obwohl sich Igor in der Nacht zuvor bei einem glatteisbedingten Sturz offenbar schmerzhaft die Hand verstaucht hatte.

Die ersten Rundgänge nach 30, 60 und 90 Minuten Spielzeit ergaben nur die Erkenntnis, dass sich meine Jungs offenbar darauf eingestellt hatten, ohne großes Federlesen zu vereinfachen. Jedenfalls sah die Mehrzahl der Stellungen nicht so aus, als wollte man sich auf wild-romantische Geplänkel einlassen. Ich war mit dieser Strategie im Prinzip auch zunächst durchaus einverstanden.

Nazar überraschte mich dann allerdings mit einem für ihn untypischen Zeitverbrauch. Er verfiel gegen Konstantin Landa bereits nach dem 5. Zug in der von ihm gewählten Holländischen Verteidigung ins tiefe Grübeln, um dann aber ebenfalls den Weg in die Vereinfachung zu suchen. Eigentlich nicht seine Stärke… Seltsam… seltsam.

Etwas Probleme hatte danach offensichtlich auch Christian Scholz, der sich zunächst mit einer etwas lästigen Abzugsfesselung und später dann mit einem schier unvertreibbaren gegnerischen Zentralspringer herumplagen musste. Gerhard Schebler stand riesig.

Robert Ris sah sich vor ähnlichen Herausforderungen: Sein Gegner, der stets freundliche Daniel Hausrath, erspielte sich einen freien Zentralbauern, der den Generalfeldmarschallsstab im Tornister zu haben schien. Der Holzagronom teilte die Stellung, wie Weiland Moses einst das Meer.

Der Rest vom Fest stand… nicht wirklich gut, aber auch nicht wesentlich schlechter.
Okay… Igor Glek und Christian Seel schienen gewisse Perspektiven zu haben, aber das machte die Kohlsuppe nicht fett. 
Matthias ThesingUm 18.30 Uhr wurde dann in der Partie Matthias Thesing – Mihail Saltaev das erste Remisangebot abgegeben, das angesichts der Gesamtlage jedoch abgelehnt werden musste, obwohl die Stellung da sicherlich im Gleichgewicht war.

Vor diesem Hintergrund kam wiederum das nicht angekündigte Remis bei Klaus Bischoff und Alexander Berelovich etwas überraschend (0,5 : 0,5). Auch hier war die Stellung allerdings sicher ausgeglichen; mannschaftstaktisch hatte ich jedoch so meine Bedenken, zumal sich zwischenzeitlich Christian Seel, der gegen den aus Gibraltar angereisten Daniel Fridman spielte, zu einem zweischneidiges Figurenopfer hinreißen lies und Vladimir Chuchelov gegen den frisch gebackenen Jugendweltmeister Maxime Vachier-Lagrave auch nur eher remislich stand.

Um 19.00 Uhr sah ich eigentlich nur bei der Partie Igor Glek gegen Felix Levin besseres Wetter. Zu diesem Zeitpunkt steuerte Vladimir das erwartete Remis bei (1,0 : 1,0). Christian Scholz hatte allerdings inzwischen die Qualität weniger; außerdem plagten Christian Seel, Robert Ris und Nazar Firman deutliche Stellungs- und Zeitprobleme.
Igor sorgte dann tatsächlich für eine gewisse Stimmungsaufhellung bei mir, als er schließlich um 19.30 Uhr in souveräner Manier den Punkt einfuhr. (2,0 : 1,0). Bravo! Trotzdem schien es kein guter Abend für Katernberg zu werden.
Robert RisKurz vor 20.00 Uhr materialisierten sich dann meine Befürchtungen, als Robert Ris nach komplexer Verteidigung doch zur Aufgabe gezwungen wurde. (2,0 : 2,0).

Während dessen zog sich Nazar eine empfindliche Stellungs- und Materialerkältung zu und obwohl unser Matthes zu diesem Zeitpunkt eine wirklich gute Stellung hatte, würde es bei linearem Spielverlauf angesichts der desolaten Positionen von Christian Seel und Christian Scholz nicht mehr zu einem Mannschaftspunkt reichen.
Um 20.15 Uhr streckte Christian Seel dann wie vorhergesehen die Waffen. (2,0 : 3,0). Kurz danach hatte auch Nazar genug vom bösen Spiel (2,0 : 4,0).
Etwas überraschend lies sich dann Gerhard Schebler auf eine Zugwiederholung ein. Dadurch konnte sich zwar Christian Scholz ins Remis retten, doch der Kampf war damit endgültig verloren. (2,5 : 4,5).
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Matthes eine ziemlich eindeutige Gewinnstellung erspielt. Leider verdaddelte er seine Partie dann später aber doch noch zum Remis. (3,0 : 5,0). Schade.

Brett SV Mülheim-Nord SF Katernberg Ergebnis
1 Vachier-Lagrave Chuchelov ½ : ½
2 Landa Firman 1 : 0
3 Fridman Seel 1 : 0
4 Berelovich Bischoff ½ : ½
5 Levin Glek 0 : 1
6 Hausrath Ris 1 : 0
7 Saltaev Thesing ½ : ½
8. Schebler Dr. Scholz ½ : ½

Ein (auch in der Höhe) verdienter Sieg unserer Mülheimer Freunde. Herzlichen Glückwünsch!