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Danke Godesberg!

SFK II bleibt in der Oberliga

 

Dr. Volker Gassmann
Geschrieben von Dr. Volker Gassmann

 

In der letzte Runde der Saison ging es für unsere 2. Mannschaft um den Klassenerhalt in der Oberliga. Zwar hatten wir 8:8 Punkte aus den vorigen Runden, es war jedoch zu befürchten, dass die beiden anderen Abstiegskandidaten Lippstadt und Gescher ihre Spiele gewinnen würden. In diesem Fall müssten wir gegen die auf Platz 2 stehenden Wattenscheider mindestens 4:4 spielen, da wir zuwenig Brettpunkte hatten.

Unser Gegner bot mit GM Yge Visser und Bundesliga-Spieler Thomas Thiel tatsächlich fast die stärkstmögliche Mannschaft auf, um den Aufstieg in die 2. Liga zu sichern. Demgegenüber durften unsere IMs sowie die FIDE-Meister aus der 3. Mannschaft schon lange nicht mehr spielen. Somit betrug der durchschnittliche DWZ-Vorsprung der Wattenscheider 166 Punkte!

Diese Überlegenheit schlug sich aber zunächst in keiner Weise im Spielverlauf nieder: Am 1. Brett hatte Sarah Hoolt über die ganze Partie den Franzosen von GM Visser sicher im Griff und bewahrte leichten Vorteil gegen seinen schlechten weißfeldrigen Läufer. Am Brett 2 stand Martin Villwock mit Schwarz wie üblich gewagt aber kompliziert. An Brett 3 hatte Bernd Rosen trotz scheinbar verflachter Stellung immer leichten Vorteil. Am 4. Brett hatte sich Volker Gassmann mit Schwarz gegen die sogenannte Fantasy-Variante der Caro-Cann Verteidigung gut vorbereitet, die Johannes Franke stets spielt. An Brett 5 war Werner Nautsch als Weißer ausnahmsweise gut aus der Eröffnung gekommen, was angesichts seiner großartigen Endspielkunst zu guten Hoffnungen berechtigte. An den letzten 3 Brettern schlugen sich alle Ersatzleute gut: Benjamin Zaschke hatte eine passive aber solide Strellung, Jürgen Riesenbeck hatte eine sehr unklare Stellung für die er allerdings viel zu viel Zeit investiert hatte und Jürgen Armbrüster hatte in einer bekannten Variante der Grünfeld-Indischen Verteidigung einen Bauern gewonnen und musste der weißen Initiative und dem typischen Raumvorteil begegnen.

So war nach 2 Stunden Spielzeit noch alles offen. Leider begann sich dann ganz allmählich das Blatt gegen uns zu wenden. Ein weißer Turm gelangte auf die 7. Reihe von Martin Villwock, Werner Nautsch stellte eine Qualität ein und es war abzusehen, dass Jürgen Riesenbeck die Zeitnot nicht überstehen würde. Konsequenterweise lehnte Volker Gassmann ein Remisangebot ab, obgleich er nach einigen Ungenauigkeiten unter Druck geraten war. Dafür hatte sein Gegner bei sehr komplizierter Stellung nur noch 14 Minuten für 20 Züge. Sehr überzeugend vergrößerte dagegen Bernd Rosen seinen Vorteil im Endspiel. Auch Jürgen Armbrüster hatte durch aktives Figurenspiel seine Probleme lösen können und seinen Mehrbauern in ein gewonnenes Endspiel retten können. Sarah hatte nach wie vor leichten Vorteil - aber gegen einen Großmeister aus der schon recht vereinfachten Stellung gewinnen zu können schien schwer möglich.

So hatte Wattenscheid leider die klareren Gewinnchancen. Tatsächlich gingen vor der Zeitkontrolle die Partien von Martin Villwock und Jürgen Riesenbeck verloren und auch Werner Nautsch stand auf Verlust. V. Gassmann und Benjamin Zaschke kämpften ums Remis und konnten dies nach der Zeitkontrolle durch Dauerschach bzw. Abwicklung in ein Turmendspiel auch erreichen. Leider schaffte es Jürgen Armbrüster nicht, seinen Vorteil im Endspiel zu verwerten und in Sarahs Partie war der Vorteil vermutlich zu klein, so dass beide Partien Remis endeten. Nur Bernd gelang es, seinen Vorteil durch hervorragende Endspielführung in einen vollen Punkt umzusetzen, so dass der Kampf 5:3 ausging. Mehr Punkte als statistisch zu erwarten aber trotzdem schade, denn ein 4:4 wäre durchaus möglich gewesen.

Nach dem Kampf traf man sich bei Jürgen Riesenbeck zum traditionellen Saisonabschluss zusammen mit der 3. Mannschaft. Bei gutem Wein und leckerer Suppe war man trotz der Niederlage guter Stimmung und wartete auf die Ergebnisse der anderen Kämpfe und auf die Spieler der 3. Mannschaft, deren Spiel erst um 14:00 begann. Um ca. 19:00 waren bis auf Gescher gegen Godesberg alle Ergebnisse gemeldet und es gab ersten Grund zur Freude: Mülheim hatte 4:4 gespielt und damit hatten wir und Lippstadt jeweils 8:10 Mannschafts- und 32 Brettpunkte. Da keiner mit einem solchen Ergebnis gerechnet hatte, kannte niemand den Wortlaut der Turnierordnung. Da wir aber im direkten Vergleich gegen Lippstadt 4:4 gespielt hatten, gingen wir von einem Stichkampf aus. Ein Blick in die Turnierordnung belehrte mich indessen am Montag, dass in diesem Fall die Berliner Wertung aus dem Spiel gegen Lippstadt entschieden hätte und die wäre gegen uns gewesen...

Zum Glück beseitigte die Meldung des Tages alle Unsicherheiten: Der Tabellenletzte Godesberg hatte gegen den Achten Gescher gewonnen. Ein dickes Lob an den Kampfgeist der Godesberger, die bereits nach der 7. Runde als Absteiger feststanden, die beiden letzten Runden aber dennoch mit vollem Einsatz spielten und mit einem 4:4 gegen Tabellenführer Aachen und eben dem 4,5 : 3,5 gegen Gescher belohnt wurden. So konnte man kurz nach 20.00 Uhr endlich auf den Klassenerhalt anstoßen und den Abend genießen. Der guten Stimmung tat es auch keinen Abbruch, dass die 3. Mannschaft ebenfalls verlor und damit in die Verbandsklasse absteigt. Immerhin konnte man sich ja neben dem Wein auch an launigen Berichten aus der Katernberger Vergangenheit oder den guten Partien aus der Senioren-EM erfreuen. Ein besonder Dank gilt Jürgen Riesenbeck und vor allem seiner Frau für die überaus gastfreundliche Bewirtung in gemütlicher Atmosphäre!