Die Oberligitis grassiert

Geschrieben am 17.02.2020 von Bernd Rosen

SFK 1 nach glücklichem Sieg in Münster erstmals mit ausgeglichenem Punktekonto

Wenn wir, was nach dem gestrigen Spieltag gar nicht mehr so unwahrscheinlich ist, am Ende der Saison doch noch den Klassenerhalt von SFK 1 in der Oberliga feiern sollten, dann lässt sich die Wende am besten mit dem nebenstehenden Diagramm in ein Bild fassen: Soeben hat der weiße Turm sich auf dem Feld b6 niedergelassen, wo er eine gewaltige Sprengkraft entwickelt. Wenig später stand eine neue weiße Dame auf dem Brett, und Dr. Thomas Wessendorf, der hier die weißen Steine führte, gewann die Partie ohne große Mühe.

Spätestens hier werden sich die Münsteraner Spieler gefragt haben, wie sie diesen Kampf noch aus der Hand geben konnten: War nicht das Endspiel an Brett 2 wegen der ungleichfarbigen Läufer "eigentlich" Remis? Und hatte nicht unser Marcus Bee nach einem Fehlgriff nur unter großer Mühe und Hergabe einer Qualität eine noch spielbare Stellung erhalten? Die für mich anheliegendste Erklärung lautet, dass die Münsteraner ebenfalls von der Oberligitis befallen sind, die unser Team schon seit Saisonbeginn quält.

Ohne alte Wunden wieder aufzureißen, seien hier nur einige Beispiele genannt - die Liste ließe sich noch verlängern: Martin, Sebastian und ich lassen beim Auftakt in Bochum zusammen 2 Punkte liegen. Gegen Letmathe kippten ebenfalls gleich mehrere Partien zu unseren Ungunsten. Auch der günstig stehende Kampf gegen Wattenscheid endete nur mit einem 4:4. Zuletzt gegen Dinslaken warf Martin seine glatt gewonnene Stellung einzügig weg, weil er ein Dauerschach übersah. Gestern fing es auch so an: Timo hatte seine zweischneidige Stellung mit starker Taktik in eine gewonnene verwandelt, um dann nach einem Fehlzug aufgeben zu müssen. Martin brachte sich wieder um die Früchte seiner Arbeit, indem er einen Gegenschlag übersah. Soweit sah alles nach einem Kampfverlauf aus, wie wir ihn schon so oft erlebt haben. Meine von Beginn an klar bessere Stellung, die ich ohne echte Gegenwehr tatsächlich auch gewinnen konnte, war auf der Habenseite zu wenig. Doch dann wendete sich das Blatt: Marcus setzte unter Figurenopfer Matt, Bosko demonstrierte Endspieltechnik vom Feinsten und zeigte, dass für das Remis doch noch sehr genaues Spiel erforderlich gewesen wäre. Und als i-Tüpfelchen dann das tolle Endspiel von Thomas, der erst eine Figur spuckte, um den Freibauern bis b7 zu befördern, und diesem danach mit dem Bombenzug Tb6! den Weg zum Umwandlungsfeld bahnte.

Natürlich sind uns auch einige gute Leistungen gelungen. Eine sehr schöne Geschichte gibt es zum Kampf gegen Mülheim nachzutragen. Ich gebe das Wort an Thomas Wessendorf:

Diese Partie hat eine kleine Geschichte. Sie erinnerte mich während des Spiels an mein erstes eigenes Schachbuch: Rudolf Teschner: Meisterspiele, Goldmann Verlag. Es findet sich eine Partie Petrosjan-Pachman, Bled 1961, der wir 14 Züge gefolgt sind. Es kommt auch ein Damenopfer am Ende vor, was ich immer faszinierend fand! Die Kommentare in Anführungszeichen sind übernommen von R. Teschner.

Diese Partie wie auch einige andere der oben erwähnten finden Sie zumindest als Fragment in der folgenden kleinen Partieausswahl zum Nachspielen:

Eine Partienauswahl mit Licht und Schatten

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Was kommt noch?

Bleibt die spannende Frage: Wie stehen die Chancen? Und worauf eigentlich? Die Tabelle hilft nicht wirklich weiter: Durch den Aachener Rückzug ist in jeder Runde eine Mannschaft spielfrei. An der Spitze liegen die drei Teams, die noch nicht ausgesetzt haben. Bochum hat sich etwas absetzen können, dahinter ist noch alles möglich. Uns sollten zwei Punkte aus den verbleibenden zwei Kämpfen zum Klassenerhalt genügen. Das wird gegen Plettenberg und Wuppertal jedoch alles andere als einfach. Und mir kommt ein schrecklicher Verdacht: Bis jetzt konnten wir nur gegen Mannschaften gewinnen, deren Name mit einem "Mü" beginnt. Da wären mir Müppenberg und Müppertal als Gegner beinahe lieber. Aber man kann es sich halt nicht aussuchen.

Spaß beiseite: Beim letzten Heimspiel der Saison (08.03. um 11 Uhr in der Zeche Helene) erwarten wir erst mal unseren Mitaufsteiger Plettenberg, der bisher weit unter Erwartung gespielt hat. Wir hoffen auf die Unterstützung möglichst vieler Zuschauer!

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Man spielt immer nur so gut, wie es der Gegner zulässt.

Sepp Herberger

Schachaufgabe

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