Die Rückkehr der Krümelmonster

Geschrieben am 31.01.2026 von Bernd Rosen

Das Leibniz-Gymnasium ist Stadtmeister im Schulschach

Über viele Jahre hinweg dominierte das Leibniz-Gymnasium die Essener Schulschachwettbewerbe dank vieler starker SFK-Jugendspieler fast nach Belieben. Im Jahr 2016 gelang dem Team, das sich irgendwann selbst den Namen "Schachkekse" gegeben hatte, mit dem 2. Platz beim Landesfinale NRW und der damit verbundenen Qualiifikation für die Deutsche Meisterschaft der größte Erfolg. Spätestens seit Corona sind diese Erfolge Geschichte, inzwischen weist die Homepage der Schule nicht einmal mehr eine Schach-AG aus. Dass es dort aber immer noch starke Schachspieler und Schachspielerinnen gibt, zeigte sich bei der diesjährigen Stadtmeisterschaft: Unser Nachwuchsspieler Naveenayan stellte eine schlagkräftige Auswahl zusammen, und Michael Wolff (der letzte AG-Leiter dort) fungierte als Betreuer. Die Mannschaft kämpfte sich mit überzeugenden Erfolgen ins Finale gegen Maria-Wächtler und siegte auch dort mit dem Glück des Tüchtigen denkbar knapp: Beim Stand von 2:2 entschied die Berliner Wertung dank der Siege an den beiden Spitzenbrettern für die Schachkekse.

Naveenayan Ruben, den wir alle nur noch als Navi kennen, darf sich mit Fug und Recht als Vater des Erfolges fühlen: Er kümmerte sich darum, den Termin des Wettbewerbes in Erfahrung zu bringen, fand vier spielstarke Mitschüler:innen und legte auch die Aufstellung fest. Last but not least gewann er alle vier Partien am Spitzenbrett.

Noch ein zweiter Spieler trägt die SFK-Farben: Zohan Khan teilte sich das letzte Brett mit Ben Ehling und kam zwei Mal zum Einsatz. Nach einem souveränen Sieg in der Vorrunde erlag er ausgerechnet in der Finalpartie einer Fata Morgana: Er fürchtete ein Abzugsschach des Ld6, dabei stand hinter dem Läufer die schwarze Dame, und die drohte die weiße Dame nicht zu gewinnen, sondern lediglich abzutauschen. Sein Zug g2-g3 schwächte den ohnehin schon wackeligen Sf3, der kurz darauf verloren ging.

Am dritten Brett spielte die junge Iranerin Mahya, die mich mit ihrer Ruhe und Übersicht beeindruckte. Sie hatte am Freitag zuvor erstmals am Vereinstraining teilgenommen und schon dabei bewiesen, dass sie bereits über solide Schachkenntnisse und eine beachtliche Spielstärke verfügt. Leider verlor auch sie in der letzten Runde in Zeitnot die Kontrolle über ihre eigentlich überlegene Stellung und verlor.

Jaroslaw Fedotushkin spielt seit kurzem bei Weiße Dame Borbeck. Er hat noch keine DWZ, gewann aber wie Navi alle Partien. In der letzten Runde stand er allerdings sehr bedenklich, ehe sein Gegner in Zeitnot unter die Räder kam.

Die Zeit spielte auch in der letzten Partie des Turniers die entscheidende Rolle: Zunächst verpasste Navi im Turmendspiel den Gewinnzug, wonach eine totremise Stellung entstand, in der beide Spieler wild die Figuren zogen und die Uhr betätigten. Obwohl er zwischenzeitlich mit 3 gegen 6 Sekunden kämpfte, überschritt sein Gegner als Erster die Zeit - Navi hatte noch eine Seklunde auf der Uhr. Wahrlich ein dramatisches Finale!

Ich habe es jedenfalls nicht bereut, nach 8 Jahren "Abstinenz" mal wieder bei diesem Turnier gekiebitzt zu haben. Hier noch eine kleine Fotoauswahl:

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Schach ist ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichts desto minder erwiesenermaßen dauerhafter seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke, das einzige Spiel, das allen Völkern und allen Zeiten zugehört und von dem niemand weiß, welcher Gott es auf die Erde gebracht hat, um die Langeweile zu töten, die Sinne zu schärfen, die Seele zu spannen.

Stefan Zweig