Dieter Deppe *26.1.1932 +29.06.2021

Geschrieben am 10.07.2021 von Bernd Rosen

Im Alter von 89 Jahren verstarb am 29. Juni Dieter Deppe, den wir seit seinem Eintrittt in unseren Verein im Jahre 1969 stets als zuverlässigen Mitspieler erlebt haben, von allen für seine freundliche und verbindliche Art geschätzt. Bleibende Verdienste erwarb er sich besonders durch die von ihm perfekt organisierten Radtouren - das Foto zeigt ihn im Jahre 2007, als wir ihm anlässlich der 10. von ihm organisierten Tour ein Präsent überreichten. Obwohl gesundheitlich sichtlich angeschlagen war er bis ins letzte Jahr hinein ein Stammgast an unserem Vereinsabend, der am Geschehen weiter rege interessiert war. An den Blitzturnieren beteiligte er sich zwar nicht mehr, da er die gemütlichere Gangart schätzte - für eine Schnellpartie war er aber immer zu haben. Ein Wiedersehen nach der Pandemie ist uns nun leider nicht mehr vergönnt.

Meine älteste Erinnerung an Dieter Deppe ist die an eine Essener Blitzmannschaftsmeisterschaft, die in den Räumen der Essener Schachgesellschaft ausgetragen wurde. Das muss ganz zu Beginn der 70er Jahre gewesen sein. Gespielt wurde damals noch ohne Schachuhren - gezogen wurde alle 5 Sekunden, angesagt durch den Turnierleiter. Für mich war dieser Modus tödlich - als Ersatzspieler unserer 2. oder 3. Mannschaft war ich nahezu ohne Punkte und entsprechend dankbar, dass mich Dieter zur Halbzeit des Turniers ablöste.

Wenn ich mich richtig erinnere, entdeckte Dieter seine Leidenschaft für den Radsport erst im höheren Alter - in früheren Jahren verbinde ich ihn eher mit dem Tennissport. Unser Verein profitierte jedenfalls enorm von den Radtouren, die er in den Jahren 2002 bis 2007 regelmäßig organisierte und perfekt plante. Oft erfolgte die Anreise mit der Bahn - auf diese Weise entdeckten wir das Münsterland, aber auch eine herrliche Tour ins Ruhrtal bis nach Hattingen ist mir noch in sehr deutlicher Erinnerung.

Vom Mannschaftsschach zog Dieter Deppe sich schon vor vielen Jahren zurück - das war ihm zu nervenaufreibend. Doch wenn im Verein etwas los war - und das war ja fast immer der Fall! - war Dieter als engagierter Zuschauer dabei. Schachlich war er ein treuer Anhänger "seiner" Eröffnungen: Mit Schwarz vertraute er der französischen Eröffnung, als Weißer eröffnete er stets mit dem extravaganten Zug f2-f4. Ein schönes Beispiel dafür, dass wir am Schachbrett Seiten unserer Persönlichkeit ausleben können, die im realen Leben eher nicht zum Tragen kommen. Sicher hätte niemand dem sonst so auf Sicherheit bedachten Dieter eine so "unkorrekte" Eröffnung zugetraut. Doch diese Spielweise war ihm mehr oder weniger familiär vorgegeben, denn sein Onkel Dr. Georg Deppe widmete dieser Spielweise und insbesondere dem scharfen Gambit 1.f4 e5 eingehende Untersuchungen, die sogar in eine Buchveröffentlichung mündete. Auf dem nebenstehenden Foto posiert Dieter mit einer Ausgabe dieses Werkes. Aufgenommen wurde es 2015, als wir im Rahmen unserer Reihe Sommerschach das From's Gambit erprobten.

Dass Dieter auch ein durchaus unternehmungslustiges Schach spielte, zeigt die folgende Partie aus der Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren des Jahres 1997 - selbstverständlich auch hier mit seinem Lieblingszug eröffnet:

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Die Schachfreunde Katernberg werden Dieter Deppe ein ehrendes Andenken bewahren.

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Wie kann ich Remis annehmen? Ich weiß ja gar nicht, wie ich stehe!

Fritz Sämisch

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