Fehlstart in Bindlach

Geschrieben am 27.10.2006 von Bernd Rosen

SFK unterliegt in Bindlach mit 2:6 - Grandioser Einstand von GM Alexander Motylev

Alexander Motylev

Fehlstart in der Schach-Bundesliga für die Sportfreunde Katernberg! Das Auftaktspiel der Spielzeit 2006/07 beim starken Aufsteiger TSV Bindlach (Bayern), der gleich zum erweiterten Favoritenkreis im Kampf um die Meisterschaft gerechnet wird, ging mit 2:6 total daneben, obwohl die deutliche Abfuhr dem Spielverlauf nicht ganz gerecht wird.

Igor Glek
Igor Glek

Gegen die mit sieben Großmeistern angetretenen Franken (SFK konnte nur vier GM aufbieten) holte zunächst GM Igor Glek ein sicheres Remis gegen den jungen GM David Baramidze, dessen Vorteile im Turmendspiel nur optischer Natur waren. Dann die erste Niederlage: GM Sergei Erenburg musste sich dem brillanten Angriffsspiel von GM David Navara beugen. Der 21-jährige Tscheche, der im letzten Jahr kometenhaft auf Platz 13 der Weltrangliste vorgerückt war, jagte und fing nach einem überraschenden Scheinopfer die Dame des Katernbergers aus Israel. 2,5:0,5 für Bindlach wenig später durch die Verlustpartie von GM Vladimir Chuchelov, der gegen GM Vladimir Baklan nach einem allzu optimistischen Qualitätsopfer in Schwierigkeiten geraten war und - wieder einmal - an unzureichender Zeiteinteilung scheiterte.

 

Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich die Paarung am Spitzenbrett. Die Gastgeber hatten GM Arkadij Naiditsch, die deutsche Nr. 1, aufgeboten; für SFK gab der 27-jährige russische GM Alexander Motylev seinen Einstand, der bei der soeben beendeten Weltmeisterschaft als Berater des neuen Schachkönigs Vladimir Kramnik tätig war. Die Fans sollten auf ihre Kosten kommen: In einer nimzo-indischen Partie opferte Naiditsch mit den schwarzen Steinen frühzeitig einen Bauern - ein Manöver, das auch der Russe schon mehrfach angewendet hatte. Es entspann sich ein scharfer Kampf mit beiderseitigen Chancen. Wie aus heiterem Himmel dann ein gefährliches Springeropfer des Bindlachers; Motylev schienen die Felle wegzuschwimmen. Als die mitgereisten Katernberger Schlachtenbummler keinen Pfifferling mehr für ihren Mann geben wollten und im Bindlacher Lager lauter strahlende Mienen zu besichtigen waren, "entkorkte" der für seine stoische Ruhe bekannte Motylev einen Turmzug, der Naiditschs Angriffswirbel als Strohfeuer entlarvte. Wenige Züge später kapitulierte der deutsche Ranglistenerste. Eine grandiose Weltklasseleistung und ein toller Einstand!

 

Nazar Firman
Nazar Firman

Auch Nazar Firman, der zweite Neuling im SFK-Team, spielte ausgezeichnet. Gegen den höher eingeschätzten GM Michael Prusikin geriet der Internationale Meister aus Lemberg (Ukraine) nie in Gefahr und remisierte nach Kampf sicher.

 

Damit hatte SFK jedoch das Pulver verschossen; an den Brettern 6 - 8 gab es Niederlagen. IM Martin Senff musste gegen GM Klaus Bischoff die Qualität für einen Freibauern geben und unterlag dann großmeisterlicher Endspieltechnik. IM Sebastian Siebrecht, der sich gern einen "Naturschachspieler" nennt, war GM Dr. Igor Stohl gewohnt optimistisch angegangen, musste aber nach Verwicklungen entscheidenden Materialnachteil hinnehmen. IM Georgios Souleidis schließlich hatte gegen IM Jan Markos, den einzigen Nicht-GM im Bindlacher Team, seinen Königsinder gut angelegt und leichte Vorteile herausgespielt, bis....die leidige Zeitnot wieder einmal alles verdarb.

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