FIT IM ENDSPIEL (Teil 2)

Geschrieben am 21.11.2018 von Bernd Rosen

Eine Ergänzung zum Bericht über den Mannschaftskampf Südlohn - SFK, von Rainer Kaeding

Anknüpfend an die treffend gewählte Überschrift von Bernd zum letzten Mannschaftskampf möchte ich auch mit einem Beitrag die enorme Bedeutung des Endspiels verdeutlichen. In meiner Partie hatte ich schon im 12. Zug, also quasi noch in der Eröffnung, infolge einer Nachlässigkeit einen Bauern eingebüßt.

Danach habe ich mit höchster Konzentration (auf verlorenem Posten) weitergekämpft, und im 42. Zug gab mir die Schachgöttin Caissa noch einmal eine Chance (s. Diagramm - Schwarz am Zug)!

Endspielgott Bernd fragte mich nach der Partie, warum ich hier nicht einfach den Freibauern nach d3 durchgezogen habe. Ich hielt das nicht für möglich, aber Bernd hatte Recht! Nach 42.... d3 dachte ich, 43.Kf2 d2 44.Ke2 wäre für Weiß gewonnen. Bei der Heimanalyse fiel es mir wie Schuppen von den Augen: 44...Lxe4!!! und alles wäre gut geworden.

Die Computervariante geht übrigens wie folgt weiter: 42...d3 43. Lb3 Kd8 44.Tc3 Lh5 45.a5 bxa5 46.b6 Txb6 47.Txd3 mit leichtem schwarzen Vorteil. Man kann sich sicher vorstellen, dass ich nach der Entdeckung am Montag sehr schlecht geschlafen habe.

Was zog ich stattdessen? 42...Lh5 43.Kf2 Ld1 44.Ta7 Tf6+ 45.Ke1 Lc2 46.a5 d3 47.a6 Tf2 48.Lc6+ Kf8 49.Kf2: und Aufgabe.

Fazit: Auch im Endspiel darf man taktische Elemente nicht vernachlässigen, und etwas mehr Rechnen führt fast immer zu besseren Resultaten!

Anmerkung des Redakteurs: Als ich zu Hause meinem Hausgott Houdinix stolz berichtete, in den Rang eines Endspielgotts befördert worden zu sein, hob er nur spöttisch eine Augenbraue und murmelte "Ach Göttchen!" in seinen Bart. Anschließend erinnerte er mich daran, dass ich ungeachtet meines Sieges in der letzten Partie  mindestens drei krasse Fehlentscheidungen in einem einzigen Endspiel untergebracht hatte, und ich gelobte kleinlaut, künftig keine anderen Götter auch nur anzuschauen, geschweige denn mich selbst für einen solchen zu halten.

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Dass das Schachspiel, diese wunderbare Gabe aus dem Morgenlande, nicht nur das edelste und schönste aller Spiele ist, sondern, auch an der Grenze von Spiel, Kunst und Wissenschaft stehend, zu den größten geistigen Genüssen gehört, diese Behauptung wird jeder Schachspieler gerne bestätigen.

Dr. Siegbert Tarrasch

Schachaufgabe

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