Gipfeltreffen in Dresden

Geschrieben am 26.07.2026 von Bernd Rosen

Katernberger Delegation beim Schachgipfel in Dresden

Unter dem Label "Schachgipfel" organisierte der Deutsche Schachbund in Dresden sage und schreibe 12 Deutsche Meisterschaften "auf einen Streich". Vor allem am letzten Wochenende, an dem noch das Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft hinzukam, herrschte ein Gedränge wie sonst vielleicht noch am Mount Everest. Bei einem solchen Massenauftrieb war natürlich auch unser Verein mit etlichen Aktiven vertreten: Bernd und Willy Rosen (das Foto entstand in der 7. Runde, als wir nebeneinander an den Brettern 13 und 14 spielten), Erich Krüger und Karl-Heinz Hüttemann traten bei der Deutschen Seniorenmeisterschaft 65+ an, Noel Gallas spielte im Kandidatenturnier, und Thomas Wessendorf bei der Deutschen Schnellschachmeisterschaft 50+. Hinzu kamen drei ehemalige Katernberger: Klaus Bischoff war täglich als Kommentator im Einsatz, Igor Glek spielte beim Chess960-Turnier, und Sarah Papp (früher Hoolt) griff bei der Deutschen Frauenmeisterschaft zu den Puppen.

Am zufriedensten mit ihrem Abschneiden waren Karl-Heinz Hüttemann und Noel Gallas: Karl-Heinz holte starke 6 Punkte aus 9 Partien, blieb als einziger Katernberger ungeschlagen und verbesserte seine ELO-Zahl um satte 53 Punkte. Noel Gallas kam auf 5 Punkte aus 9 Runden und war damit punktgleich mit den drei Großmeistern im Feld. Das bedeutete Platz 11 und ein ELO-Plus von 38 Punkten.

Doch Dresden hat natürlich noch viel mehr zu bieten als Schach. Bei einigen Streifzügen durch die Altstadt konnte ich mich davon überzeugen, dass die sächsische Landeshauptstadt nicht zu unrecht den Beinamen Elbflorenz trägt. Nachstehend einige Impressionen aus Stadt und Turnier:

Wiedersehen mit Ehemaligen

Neben Klaus Bischoff, der täglich als Kommentator im Einsatz war und sich einige Male auch beim Abendessen zu uns gesellte, trafen wir in Dresden auch auf Igor Glek, der beim Chess960-Turnier einen ausgezeichneten 6. Platz belegte. Igor ging nach einer Meniskusoperation zwar am Stock, erfreut sich sonst aber bester Gesundheit.

Sarah Papp hat ihre schachlichen Aktivitäten als berufstätige Mutter inzwischen deutlich reduziert. Insofern war es unwahrscheinlich, dass sie hier den Erfolg von 2011 wiederholen würde - am Ende sprang Platz 3 heraus, womit sie sicher sehr zufrieden war.

Von ihrem Optimismus hat sie jedenfalls nichts verloren: "Du bist grau geworden!" begrüßte sie mich bei unserer Begegnung. "Klar - ich bin inzwischen ja auch in der Altersklasse 65+ angekommen." "Na, dann wird es jetzt doch leichter!" tröstete sie mich. (Ich verkniff mir den Hinweis, dass es leider auch leichter geworden ist, gegen mich zu spielen...)

Splitter aus der DEM 65+

Bereits zum dritten Mal hatte ich das Vergnügen, zusammen mit meinem Vater (inzwischen 93 Jahre alt) bei einem Turnier in der Altersklasse 65+ antreten zu können. Unser SFK-Quartett wurde komplettiert durch Erich Krüger (94) und Karl-Heinz Hüttemann (80). Auf der Hinfahrt saß noch Rigobert Ophoff mit uns im Abteil, der den Altersschnitt mit seinen 95 Jahr3en noch mal satt nach oben trieb. Da fühlte ich mich mit meinen zarten 68 Lenzen fast wieder als Jungspund...

Die 90jährigen Teilnehmer des Turniers wurden während des Turniers gesondert geehrt. Jeder erhielt einen Turm, den die Lasker Gesellschaft aus Anlass ihres 25jährigen Bestehens herausgegeben hat. Da dieser aber nicht während der Partie eingesetzt werden durfte, hielt sich der praktische Nutzen in engen Grenzen. Wertvoller war da schon das Jahresabo der Zeitschrift KARL, das jeder 90jährige ebenfalls erhielt. "Hier hat der Deutsche Schachbund einigen Optimismus bewiesen, gleich ein ganzes Jahresabo zu spendieren" kommentierte der Seniorenreferent Wolfgang Cleve-Prinz dies während seiner kurzen Ansprache. Man fragt sich, ob er Zweifel daran hat, dass es die Zeitschrift in einem Jahr noch geben wird...?

 

Zum Abschneiden der Katernberger Equipe:

  • Bernd Rosen (Setzliste: Rang 20) landet mit 6,5 Punkten auf dem geteilten 7. Platz. Etwa im Rahmen der Erwartung. Das zu weiche Eröffnungsrepertoire mit Schwarz verhinderte eine bessere Platzierung. Außerdem scheiterte ich in Runde 8 an der Verteidigungskunst von Karl-Heinz Hüttemann (Remis aus Gewinnstellung heraus).
  • Karl-Heinz Hüttemann (Setzliste: Rang 80): Blieb dank seiner unglaublichen Zähigkeit beim Verteidigen schlechter Stellungen ungeschlagen und erreicht mit 6 Punkten den hervorragenden 15. Platz. Mit dem Glück des Tüchtigen siegte er zweimal in schlechterer Position dank Zeitüberschreitung der Gegner.
  • Erich Krüger (Setzliste: Rang 55) kommt mit 5 Punkten auf Platz 53.
  • Willy Rosen (Setzliste: Rang 66) startete mit zwei Remisen gegen schwächere Gegner, holte dann 3,5 aus 5 gegen überwiegend stärkere Konkurrenten und verlor leider die letzten beiden Partien. Besonders ärgerlich war die Niederlage in der letzten Runde, als er eine Gewinnstellung auf der Suche nach dem Matt (Abtauschen kann jeder) noch zum Verlust verdarb. Das warf ihn auf Platz 96 zurück.

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