Karlheinz Bachmann 1938 – 2014

Geschrieben am 07.01.2014 von Bernd Rosen

FIDE-Meister Karlheinz Bachmann, einer der profiliertesten Schachspieler Deutschlands, ist heute im Alter von 75 Jahren verstorben. Bei der deutschen Jugendmeisterschaft 1957 belegte er punktgleich mit dem späteren Großmeister Helmut Pfleger den 4. Platz. Aufsehen erregten seine Turniersiege 1967 in Eastborne  und 1968 in Whitby. Er spielte für Solingen, Münster und Bochum in der höchsten deutschen Spielklasse und wurde in den 60er Jahren einige Male gar in die deutsche Nationalmannschaft berufen. Unserem Verein gehörte er seit dem Jahr 1985 an, spielte bis zuletzt am Spitzenbrett unserer 3. Mannschaft und ist amtierender Vereinsmeister.

Beruflich wirkte Karlheinz Bachmann bis zu seiner Pensionierung als Fachleiter für Mathematik in Essen. Im Schach pflegte er einen nahezu mathematischen, kristallklaren Positionsstil, der ihn zu einem äußerst schwer zu bezwingenden Gegner machte. Seine besondere Liebe aber galt dem Problemschach, in dem er eine ganz andere, künstlerische Seite verwirklichte. Regelmäßig versetzte er uns mit seinen Kompositionen in Erstaunen: Selbstmattrekorde und Retroaufgaben hatten es ihm besonders angetan.

In den fast 30 Jahren seiner Vereinszugehörigkeit hat sich Karlheinz Bachmann durch seine Liebe zum Schachspiel, seine untadelige sportliche Haltung und seine stets freundliche, ausgleichende Wesensart Respekt und Freundschaft erworben. An zahlreichen Erfolgen unseres Vereins trug er maßgeblichen Anteil. Noch im Sommer 2013 spielte er erfolgreich am SFK-Spitzenbrett bei der Mannschaftseuropameisterschaft der Senioren. In der laufenden Saison erzielte er in 4 Partien 3 Punkte am Spitzenbrett der Verbandsklasse. Aus seiner schweren Erkrankung hat er weder ein Geheimnis noch ein Drama gemacht. So trifft uns die Nachricht von seinem Tod nicht überraschend, aber dennoch unvorbereitet.

Mir persönlich werden vor allem unsere nächtlichen Blitzsessions in Erinnerung bleiben: Nicht selten waren wir die Letzten beim Vereinsabend und spielten bis in die frühen Morgenstunden unzählige Blitzpartien. Meist war ich es, der dem Älteren irgendwann aus Ermüdung oder einem Rest von Vernunft vorschlug: "Jetzt noch zwei letzte Partien und dann nach Hause!" Wenn ich danach am Samstagmorgen mit verknittertem Gesicht am Frühstückstisch saß wusste meine Familie schon Bescheid: "Karlheinz war gestern wieder da!" - ein Kommentar, den wir alle nun nicht mehr hören und noch lange schmerzlich vermissen werden!

Eine Würdigung des Problemisten Karlheinz Bachmann erschien anlässlich seines 70. Geburtstags in der Schachspalte der NRZ: NRZ-Schachspalte vom 07.12.2008

Hätte Karlheinz selbst eine Partie auswählen sollen, die der Nachwelt in Erinnerung bleiben soll, dann hätte er sich vermutlich für seinen Sieg über den amerikanischen Großmeister Walter S. Browne beim Turnier in Whitby 1968 entschieden. Diese Partie wurde im Jahre 1998 zum 60. Geburtstag von Karlheinz in der Schachspalte der NRZ veröffentlicht, damals noch betreut von Willi Knebel:

W.S.Browne - Karlheinz Bachmann, Whitby 1968

1. e4 g6 2. d4 c6 Ein von Bernd Saacke (Münster) entwickeltes System, das sich zunächst in Münsteraner Jungmeisterkreisen großer Beliebtheit erfreute und später auf zahlreichen Turnieren anzutreffen war. Bachmann, dem diese der französischen und Caro-Kann-Verteidigung verwandte Spielweise natürlich bekannt war, nutzte die Gelegenheit, sie gegen einen renommierten Gegner einem Härtetest zu unterziehen. Die Idee ist, mit d7-d5 den weißen Bauern nach e5 zu locken und dann das Zentrum mit c7-c5 zu unterminieren. 3. Sc3 Weiß sollte besser 3. c4 spielen und auf 3. ... d5 mit 4. exd5 in das Panow-System der Caro-Kann-Verteidigung übergehen. 3... d5 4. e5 Wie gewünscht! Nach Abtausch auf d5 hätte Schwarz aber sofortigen Ausgleich mit der Chance eines späteren Minoritätsangriffs am Damenflügel gehabt. 4... Lg7 5. Sf3 Lg4 6. Le2 e6 7. O-O Se7 8. b3 Gegen den befreienden Vorstoß c6-c5 gerichtet, der mit 9. La3 verhindert werden soll. 8... O-O 9. La3 b6 10. Sa4 c5 Dennoch! Schwarz spielt auf die langfristige Eroberung des weißen e-Bauern, der wichtiger ist als der schwarze c-Bauer. 11. dxc5 Besser ist 11. c3 Sbc6 mit gleichem Spiel. 11... Lxf3 12. Lxf3 b5 12... Lxe5 ist nicht ungefährlich für Schwarz nach 13. c4 Lxa1 14. Dxa1 Bbc6 15. cxb6 axb6 16. Td1 13. Sc3 a6 14. Lb2 Sbc6 15. Le2 Sxe5 16. a3 Weiß hat sich einen gedeckten Freibauern am Damenflügel verschafft, aber seine Leichtfiguren stehen hier etwas unglücklich massiert. Diesen Umstand nutzt Schwarz für einen Königsangriff. 16... Sf5 17. Kh1 h5 18. a4 Dies veranlasst Browne seinerseits, am Damenflügel aktiv zu werden; doch Schwarz kommt schneller. 18... b4 19. Sa2 a5 20. c3 bxc3 21. Sxc3 Dh4 Droht Sg4 und Spiel auf der h-Linie. 22. h3 d4 23. Sb5 d3 Der Höhepunkt der Partie. 24. Lf3 Auch alle anderen Möglichkeiten führen zu schwarzem Vorteil. 24... Sxf3 25. Lxg7 Dxf2 Die erste Beute! 26. Dxf3 Falls 26. Le5 so Dxc5 mit Gewinn. 26... Sg3 27. Kh2 Wenn 27. Dxg3 Dxg3 so 28. Lxf8 Txf8 29. Tad1 d2 30. Txd2 Dxb3 mit schwarzem Vorteil. 27... Sxf1 28. Txf1 Dxf3 29. Txf3 Kxg7 30. Txd3 Tfc8 31. Tc3 Ta6 32. Tc4 Damit ist ein Endspiel entstanden, das trotz der Qualität und des Mehrbauern wegen des weißen Freibauern auf c5 und der starken Stellung des weißen Springers noch eine genaue Behandlung erfordert. 32... e5 33. Kg3 f5 34. Kf3 Kf6 35. g4 hxg4 36. hxg4 Kg5 Eine prosaischere Abwicklung bestand hier in 36. ... Ke6 nebst Rückgabe der Qualität bei Gewinn des c-Bauern und siegreichem Turmendspiel - eine Idee, die auch nach dem Partiezug relevant bleibt. Bachmann entscheidet sich indeseen für einen weit zwingenderen und anspruchsvolleren Weg, der jedoch genau berechnet werden mußte. 37. gxf5 Auf 37. Sd6 steht der vorgenannte Plan wieder zur Debatte: Tcc6 38. gxf5 gxf5 39. Tc1 Txd6 40. cxd6 Txd6 41. Tc5 e4+ und Schwarz gewinnt das Turmendspiel. 37... gxf5 38. Ke3 Th6 39. Sa7 Ta8 40. Sb5 40. c6 40...Txa7 41. c7 Txc7 führt zu einem für Schwarz leicht gewonnenen Turmendspiel. 40... Th3 41. Kf2 Th2 42. Kg1 Tah8 43. c6 e4 Bachmann als Mattnetzknüpfer! 44. Sc3 44. c7 führt nach Kf4 zum Matt. 44... Kg4 45. Sd5 f4 46. Sf6 Kf3 47. Tc3 e3 Weiß gab auf; er wird in wenigen Zügen matt. Die Kommentare beruhen auf Analysen des Siegers und des inzwischen verstorbenen Wattenscheider Schachspielers und -pädagogen Dr. Reinhard Cherubim im SCHACH-ECHO.

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