Überraschend deutlich

Geschrieben am 15.10.2018 von Bernd Rosen

NRW-Klasse: SFK besiegt Düsseldorf 2 mit 6,5:1,5

Noch einen Tag später muss ich mir beim Blick auf die Tabelle die Augen reiben, denn nach dem klaren Auftaktsieg gegen die nominell deutlich unterlegene Mannschaft von Sodingen Castrop gelang gegen Düsseldorf II bereits der zweite Sieg, ähnlich ungefährdet, und erneut ohne dass eine Einzelpartie verloren ging. Dabei war Düsseldorf auf dem Papier mindestens gleichwertig, wovon an den Brettern aber wenig zu spüren war, obwohl wir ohne unser Spitzenbrett Sebastian auskommen mussten. Besonders an den ersten drei Brettern traten unsere Gäste erwartet stark an, als dort jedoch die Entscheidungen fielen, stand es bereits 4:1, und die zusätzlichen 2,5 Punkte waren nur noch das Tüpfelchen auf dem "i". Wenn ich einen Akteur herausheben soll, dann ist es Bosko Tomic, der am Spitzenbrett gegen Lars Stark eine starke Angriffspartie spielte und am Ende den weißen Königsflügel in seine Einzelteile zerlegte. Doch der Reihe nach:

  • Rainer Kaeding hatte sich ausgerechnet auf Heinrich von Bünau kaum vorbereitet, aber dennoch eine sehr angenehme Stellung erspielt, die nach einigen genauen Verteidigungszügen seines Gegners jedoch im Remishafen landet. ½:½

  • Timo Küppers war eines unserer beiden "PLus-Bretter" - dennoch holte er gegen die erwartete Holländische Verteidigung seines Gegners nichts greifbares heraus. "Zum Glück hat sich mein Gegner heute selbst umgebracht!" lautete nach der Partie sein durchaus selbstkritisches Fazit. Egal - Punkt ist Punkt! 1½:½

  • Volker Gassmann brachte seinen Gegner mit einem frühen Sh5 gegen das gegnerisch geplante Londoner System früh aus dem Konzept. Es entwickelte sich eine Ben-Oni ähnliche Struktur, die auch ich bei getauschten Damen lieber mit Schwarz gespielt hätte, sein Gegner jedoch unter der Prämisse behandelte, selbst klar besser zu stehen. Im Ergebnis kam Volker zu einem klaren und eindeutigen Punkt. 2½:½

  • Marcus Bee war das zweite Brett, an dem wir zählbare ELO-Vorteile hatten. Doch sein Gegner Michael Müller hat schon 2. Liga gespielt und erwies sich auch in dieser Partie als zäher Knochen - Marcus musste irgendwann einsehen, dass sein leichter Vorteil nicht für einen ganzen Punkt reichen würde: 3:1

  • Zeitkontrolle. Von Thomas Neuers Partie habe ich am wenigsten mitbekommen. Nach französischer Eröffnung erhielt er logischerweise ein besseres Endspiel, beim nächsten Hinsehen ein Bauernendspiel mit Mehrbauer. Dieses hätte man auch einfach mit dem Mehrbauern gewinnen können, Thomas bevorzugte allerdings die elegante Methode mit einem Bauerndurchbruch: 4:1

  • Somit blieben noch die ersten drei Bretter, an denen Düsseldorf seine teilweise deutlichen ELO-Vorteile hatte. Als erster meldete Bosko Tomic den ganzen Punkt: In einer englischen Eröffnung konnte er seine Stärke in der Behandlung offener Stellungen demonstrieren und startete erfolgreich den schon oben skizzierten Angriff, bei dem der bedauernswerte weiße König am Ende ohne jeden Bauernschutz dem Angriff der drei schwarzen Schwerfiguren ausgesetzt und natürlich nicht zu verteidigen war. 5:1

  • Beim letzten Mal war ich als Erster fertig, diesmal zog sich die Sache. IM Francesco De Gleria überraschte mich schon mit 1...e5 als Antwort auf 1.c4. Bei dem geplanten Aufbau im Stil des Grandprix-Angriffs mit 2...Sc6 und 3...f5 konnte ich ihn jedoch mit einem giftigen Aufbau überraschen, der ihm unbeaknnt war. Die Folge waren ein extrem hoher Zeitverbrauch von Schwarz und eine Stellung mit solidem positonellen Vorteil für Weiß. Vielleicht hätte Francesco an der ein oder anderen Stellung doch etwas mehr Gegenspiel gegen meinen König entfalten können. Statt dessen mündete die Partie in ein Turmendspiel mit Mehrbauern, das ich sicher gewann. Auch in der Analyse entpuppten sich alle Versuche meines Gegners, das Endspiel noch zu verteidigen, als nicht stichhaltig. 6:1

  • Wie schon im letzten Kampf bemühte sich Thomas Wessendorf als Letzter um den ganzen Punkt, und erneut hat es nicht geklappt, weil das gegnerische Gegenspiel doch zu stark war. 6,5:1,5

Kommen wir noch einmal kurz auf die Tabelle zu sprechen: Nach zwei Runden haben wir schon einen Mannschaftspunkt Vorsprung vor dem Rest des Feldes. Ich weiß, es kommen auch wieder magere Jahre, und noch ist überhaupt nichts gewonnen. Trotzdem ist es nach den letzten Jahren mal eine sehr nette Abwechslung, sich die Konkurrenz "von oben" anzusehen.

Alle weiteren Ergebnisse finden Sie wie immer im Ergebnisportal NRW.

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