Verdienter Sieg in Oberhausen

Geschrieben am 20.12.2017 von Bernd Rosen

SFK I gewinnt verdient in Oberhausen

In der 4. Runde der Oberliga konnte sich SFKI gegen den Oberhausener SV klar und verdient mit 5,5:2,5 durchsetzen. Nominell verfügt Oberhausen über eine starke Mannschaft: HInter Schachlegende Vlastimil Hort folgen immerhin fünf FIDE-Meister! Dennoch stand die Mannschaft vor der Partie sieglos am Tabellenende, und daran hat sich auch nach dieser Begegnung nichts geändert:

Bestens präpariert zeigte sich Rainer Kaeding, der aus der Eröffnung heraus das Heft in die Hand nahm und zielstrebig eine positionelle Gewinnstellung herausspielte, die er noch vor der Zeitkontrolle zum sicheren und überlegenen Punktgewinn nutzte. Eine ganz starke Partie! Zuvor hatte Max nach Rücksprache mit mir ein Remisangebot akzeptiert. Ich kannte seine aktuelle Stellung gar nicht, hatte aber mitbekommen, dass er früh ziemlich antipositionell h2-h4 entkorkt hatte, und bei dem positiven Verlauf des Mannschaftskampfes sah ich keine Notwendigkeit, ihn zumKampf zu zwingen.

Thomas Wessendorf hatte seinen Gegner Bernhard Stillger mit dem Blumenfeld-Gambit sicher überrascht, schien mit seiner Stellung anschließend aber trotzdem nicht zufrieden. Sein Zentrum kam nicht richtig ins Rollen, und zwischenzeitliche Hoffnung nach taktischem Geplänkel erwies sich leider als trügerisch - am Ende konnte er die Partie nicht halten, so dass Oberhausen zum Ausgleich kam.

Wenig später begnügte sich Bernd Dahm mit dem Spatz in der Hand, als er in komplizierter Stellung mit einem Mehrbauern das Remis durch dreimalige Stellungswiederholung forcierte, der Heiko Kummerow nicht gut ausweichen konnte.

Timo Küppers hatte aus seiner stets leicht besseren Stellung gegen Jürgen Kaufeld in Zeitnot nicht mehr als ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern herausholen können, in dem er einen letztlich wertlosen Mehrbauern sein eigen nannte. Nach langem Lavieren endete auch diese Partie mit der Punkteteilung.

Somit blieben die drei Spitzenbretter übrig, an denen wir schon seit etlichen Stunden überall klare Vorteile besaßen. Letztlich gingen alle drei Partien zu unseren Gunsten aus:

  • Ich selbst hatte nach oberflächlicher Eröffnung auf den Nahkampfmodus umgeschaltet und nach einer längeren Schlagfolge eine Stellung erreicht, in der mein aktiver Turm auf e7 einen schwachen Bauern auf d3 kompensierte. Einige unnötig passive Züge später konnte ich meine überlegene Entwicklung zu einer kleinen Kombination nutzen, die mir eine praktisch gewonnene Stellung mit Dame plus Bauer gegen zwei Türme einbrachte. Die Türme fanden einfach kein aktives Betättigungsfeld, und runde 20 Züge später hatte ich bereitss Dame und vier Bauern für die beiden Türme - entnervt gab der zähe Marcel Becker die Partie verloren.
  • Bosko Tomic hatte in einem komplizierten Sizlianer das Läuferpaar, und ausgerechnet sein scheinbar hoffnungslos schlechter schwarzfeldriger Läufer wurde über h6 und e3 aktiviert und avancierte zum Matchwinner in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern plus Türmen, in dem ein Mehrbauer und die Aktivität genug waren, um die Partie zu gewinnen.
  • Der Schlusspunkt war den beiden Großmeistern am Spitzenbrett vorbehalten: Schachlegende Vlasimil Hort, der sichtlich gealtert ist, wollte unseren Sebastian mit dem Nilpferd-Aufbau  offenkundig aus der Reserve locken. Doch der widerstand allen Verlockungen, den passiven Aufbau gewaltsam überrennen zu wollen, behielt cool die Kontrolle und geriet spätestens dann auf die Siegesstraße, als sich eines der schwarzen Pferde nach c8 verirrte, wo es nicht nur selbst schrecklich passiv stand, sondern auch die Koordination der übrigen Figuren störte. Nach der Zeitkontrolle besaß Sebastian einen Mehrbauern, den er trotz der hartnäckigen Gegenwehr des einstigen Weltklassespielers sicher zum Sieg führte.

In der Tabelle liegen wir nun mit 4:4 Punkten auf einem Mittelplatz, haben aber ein hartes Restprogramm, das uns ausschließlich Mannschaften beschert, die aktuell in der Tabelle vor uns stehen. Hoffen wir darauf, dass die nur deshalb dort stehen, weil sie noch nicht gegen uns spielen mussten!

Hier noch die Partie B.Rosen - M.Becker zum Nachspielen:

Aktivität perfekt genutzt

<<  <  >  >>
-

Zurück

Weise erdenken neue Gedanken, und Narren verbreiten sie.

Heinrich Heine

Schachaufgabe

<<  <  >  >>
-