Versöhnlicher Abschluss (7/7)

Geschrieben am 31.03.2021 von Lukas Schimnatkowski

Mit der siebten Runde am vergangenen Freitag fand die diesjährige DSOL für beide Mannschaften ein Ende. Damit wird es zunächst erst mal keine längeren Partien mit Live-Kommentierung auf Twitch geben. Insgesamt war die DSOL ein guter Wettbewerb, um auch mal wieder Partien mit längerer Bedenkzeit zu spielen. Dabei kommt natürlich auch der Mannschaftsgedanke durch das Format der Vierer-Mannschaften nicht zu kurz, wodurch der Blick dann zwischendurch auch mal wieder auf ein anderes Brett fällt, was im Online-Schach eher eine Seltenheit ist. Daher ist die DSOL eine willkommene Abwechselung zum Blitzschach, wodurch auch tiefergreifende Analysen wieder lohnender werden.

Die erste Mannschaft traf in der letzten Runde auf Dinslaken. Etwas überraschend war wohl, dass die Dinslakener zum ersten Mal in der gesamten Saison einen Ersatzspieler einsetzten, wofür sich der Spieler des ersten Brettes eine Auszeit nahm. Beim Blick in die Tabelle vor dieser Runde wurde dies aber schnell verständlich: Dinslaken hatte sich nach mehreren starken Leistungen gegen die anderen Teams der Liga bereits den zweiten Platz direkt hinter Deizisau gesichert. Selbst bei einer Niederlage würde sich daran gar nichts ändern. Aber auch in unserem Team gab es einen Ausfall zu verzeichnen: Bernd Rosen musste für diesen letzten Kampf beruflich bedingt kurzfristig vom ersten Brett zurücktreten, sodass bei uns ebenfalls alle Spieler ein Brett weiter oben antreten mussten.

Von diesem Umstand etwas überrascht wurde Thomas Wessendorf, der nun am ersten Brett plötzlich mit Schwarz spielen musste. Mir persönlich gefiel Thomas Stellung nach der Eröffnung bereits nicht mehr und mein Eindruck war, dass Schwarz nie richtig in die Partie fand. Nachdem der gegnerische Spieler einen Springer auf f5 einschleusen konnte, wäre ein Qualitätsopfer wohl die einzige Möglichkeit gewesen. Es folgt die ganze Partie (wieder mit Thomas Analyse) zum Nachspielen:

Welzel - Wessendorf

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Am dritten Brett hatte Max Heldt in der Eröffnung bereits einige Schwierigkeiten. Nach 1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.g3 c6?! spielte Max 4.Lg2?! (Hier ist 4.Sf3! besser und nach 4...e4 5.Sd4 d5 (Wenn 5...c5?, dann 6.Sc2 und Weiß steht nach Anhebeln des Zentrums gut) 6.cxd5 Db6 7.Sb3 und in Nakamura-Bacrot, 2012 hat sich gezeigt, dass Weiß nach 7...a5 8.d3! a4 9.Sd2 deutlich besser steht, weil das schwarze Zentrum zerfällt) 4...d5 5.cxd5? (Lieber mit 5.d4! die Spannung im Zentrum aufrechterhalten!) 6.d4 e4 7.f3 und nach 7...Lb4 8.Lg5 Sbd7 9.fxe4 dxe4 10.e3? (Nach 10.Sh3 kann Weiß noch um Ausgleich kämpfen) 10...Da5 entsteht diese Stellung:

Die Partie ging mit 11.Lxf6?? Lxc3+ 12.bxc3 Dxc3+ 13.Kf2 weiter, wonach Weiß glatt auf Verlust steht. Max konnte diese langfristig schlechte Stellung nicht mehr retten, 0-2. In der Diagrammstellung gibt es mit 11.Sh3 nur noch einen einzigen spielbaren Zug für Weiß, alle anderen Züge verlieren bereits komplett. Trotzdem stünde Schwarz auch hier gut nach 11...Lxc3+ 12.bxc3 Dxc3 13.Dd2! Da3! (Aber natürlich nicht 13...Dxa1?? 14.Ke2= mit Damenfang), weil es keine Schwächen in der schwarzen Stellung gibt und Schwarz einfach einen Bauern mehr hat.

Ich selbst hatte am zweiten Brett nach der eindeutigen Niederlage gegen Vincent Keymer und der kritischen Anmerkungen einiger Kommentatoren dazu trotzdem erneut die Fantasie-Variante 1.e4 c6 2.d4 d5 3.f3 gespielt. Auch in dieser Partie wählte mein Gegner das ambitionierte 3...dxe4. Nach 4.fxe4 e5 5.Sf3 Lg4 6.Lc4 Sd7 7.c3 Ld6 8.0-0 Sgf6 hatte ich mir aber natürlich mit 9.Lg5 eine bessere Variante als 9.De1? zurechtgelegt. Es ging weiter mit 9...h6 10.Le3 0-0 11.Sbd2 De7?!, was mich stutzig werden ließ, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die e-Linie der richtige Platz für die schwarze Dame ist. Nach weiterer Recherche zeigt sich, dass an dieser Stelle 11...Lh5! wohl angebracht ist, um Sg4 zu drohen und mit Lg6 den Druck gegen e4 zu erhöhen. Stattdessen gelang es meinem Gegner nicht, gefährlichen Druck gegen e4 aufzubauen. Einige Züge später entschied ich mich bereits, diesen Bauern zu opfern, um taktische Schläge gegen den schwarzen König und die sich immer noch in der e-Linie befindliche schwarze Dame vorzubereiten. Es entstand diese Stellung:

Ich hatte bereits vermutet, dass mein Gegner vor der Diagrammstellung 16...Sc5 spielen würde und hatte mir folgende Antwort überlegt: 17.Lxf7+ Kf8?? (um den Läufer anzugreifen und diesen nach weißem Damenwegzug zu erobern) 18.Txf6!!. Hier gibt es tatsächlich keine Rettung mehr für Schwarz. Obwohl die weiße Dame hängt, sind die Drohungen der beiden Abzüge (Lf7 zieht / Le3 zieht) einfach zu stark. Es folgte 18...Sxb3 (Wenn 18...gxf6??, dann 19.Lxh6++-, und wenn 18...Lxh2+?, dann 19.Kh1! Dh4 20.Lxe8+ Dxe8 21.Dd1+-) 19.Lxb3+ Ke7 (Wenn 19...gxf6??, dann folgt immer noch 20.Lxh6+ Ke7 21.Txe4++-) 20.Te6 und die schwarze Dame fällt, wonach Weiß zwei Figuren für einen Turm und somit eine gewonnene Stellung hat. Obwohl ich später (mit 25.Lg3??) noch einmal böse gepatzt habe, konnte ich die Partie dank der beiden freien Doppelbauern gewinnen, 1-2.

Somit blieb noch die Partie von Tamás Kiss am vierten Brett. Diese Partie verlief nach ruhiger Eröffnung lange relativ unauffällig. Als Tamás jedoch in einem Endspiel mit beidseitigen gedeckten Freibauern seine Figuren konstant verbessern konnte, ließ sich schon erahnen, dass Schwarz Vorteil haben musste.

In dieser Stellung ist es für Weiß nicht ganz leicht, eine konstruktive Antwort auf den schwarzen Plan zu finden, der im Wesentlichen aus Sb6, Lc8-e6 (oder auch Le4!?) und g5 besteht. In der Partie spielte der gegnerische Spieler leichtsinnig 29.g3?, was einen entscheidenden Fehler darstellt. Weiß hätte unbedingt 29.a4! machen müssen und nach 29...Sb6 30.Sc1! um mit Sb3 zum Gegenangriff übergehen zu können. Nach 30...Le4 31.f3 Lxd3+ 32.Sxd3 wäre die Stellung wieder ausgeglichen. Stattdessen sah Weiß die Gefahr mit g2-g3 nicht kommen und Tamás setzte stark mit 29...Sb6 30.Tb2 Le4 31.Sc1 Lf3! fort und nach 32.Sb3 kam einfach 32...a4! und Schwarz hat gewinnbringenden Vorteil. Dieser wurde von Tamás sicher verwertet, 2-2.

Mit dieser friedlichen Punkteteilung belegt SFK I schlussendlich den sechsten Tabellenplatz. Nach den beiden Siegen in Runde 1 und 2 wäre vielleicht mehr drin gewesen, aber bei der starken Konkurrenz gab es einfach keine "leichten" Kämpfe.

SFK II

Der letzte Gegner von SFK II hieß Marburg und auch hier verhielt sich die Tabellensituation ähnlich. Dadurch, dass Marburg bereits gewonnen hatte, gab es keine Chance mehr auf den zweiten Tabellenplatz (dies hätte zur Teilnahme an der Endrunde berechtigt).

Als Erster fertig wurde diesmal Friedrich Dicks, nachdem sein Gegner mit g2-g4 die eigene Rochadestellung derart geschwächt hatte, sodass Friedel mit Raumvorteil und aktivem Figurenspiel leicht einen Angriff auf den weißen König inszenieren konnte. Obendrein vergaß Weiß wohl noch die offensichtliche Mattdrohung und ließ sich mattsetzen, 1-0.

Etwas weniger glücklich agierte Berthold Humkamp am zweiten Brett. Nach gewohnter Eröffnung e3/b3 erreichte Berthold diese Stellung:

Hier spielte Berthold mit 17.Df3? einen Zug, der viele Probleme nach sich zog. Denn dadurch wurde 17...De5 möglich, der zuvor noch an der einfach Antwort Sf3 gescheitert wäre. Berthold wurde also mehr oder weniger zu 18.Df4 gezwungen und nach 18...Dxf4 19.gxf4 Lc5 hat sich die weiße Stellung enorm verschlechert. Die Fesselung entlang der Diagonale ist höchst unangenehm, außerdem wurde der Bauer d2 vereinzelt, wodurch sich auch die e-Linie öffnet, was günstig für Schwarz ist. Durch Kompbination dieser Faktoren konnte Berthold nachfolgend nicht mehr zurück ins Spiel finden, 1-1.

Am ersten Brett hatte Lasse Struck unterdessen keinen gefährlichen Plan finden können und daher einige fragwürdige Turmzüge gemacht. Entschieden wurde diese Partie allerdings erst etwas später:

Hier griff Lasse mit 32...Dg3?? fehl, weil Weiß dadurch 33.Sd5+- erlaubt wird. Auch wenn es wegen der schwarzen Figurenstellung nicht so aussieht: Die Stellung ist immer noch leicht besser für Schwarz! Allerdings sollte der schwarze Turm mit 32...Td7 schleunigst aus der e-Linie verschwinden. Weiß hat in Folge keine gefährlichen Spielideen: 33.De5 kann einfach mit Lf8 beantwortet werden, 33.Ta8+ dagegn mit 33...Kg7, wenn jetzt 34.De5+, dann folgt 34...Dxe5 35.Txe5 Lf4! 36.Tc5 Ld6! 37.Tc6 (37.Tcc8?? Lxb4 38.cxb4 Txd4-+) 37...Tdb7 mit unklarer Stellung, in der Schwarz meines Erachtens allerdings nicht schlechter stehen kann. In der Partie konnte Lasse die Stellung nicht mehr halten, 1-2.

Eine weitere gute Partie spielte währenddessen Tilman Klimek am dritten Brett, nachdem der gegnerische Spieler mit Schwarz nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 mit 4...Se7 eine mir bisher völlig unbekannte Variante spielte, deren Quintessenz mir auch nach einiger Betrachtung nicht ganz klar wird. Schwarz schaffte es zwar, den schwachen weißfeldrigen Läufer zu tauschen, was aber mit hohem Zeitaufwand und anderen unnatürlichen Figurenzügen verbunden ist. Tilman spielte normale Entwicklungszüge und landete in dieser Stellung:

Hier ließ der gegnerische Spieler mit 15...b5? eine gute Gelegenheit aus (15...Lxa3 gefolgt von De7 und b5 wäre bedeutend stärker gewesen) und nach 16.Sxb5 Sxb5 17.axb5 Txb5? 18.b3! steht Weiß auf einmal auf Gewinn, weil der gefesselte c4-Bauer verloren geht. Tilman gewann somit einen wichtigen Bauern und nach einigen weiteren koordinativen Zügen folgte noch eine Qualität, sodass das resultierende Endspiel sicher gewonnen war, 2-2.

Auch dieser Mannschaftskampf ging also am Ende mit einem versöhnlichen 2-2-Unentschieden aus, was für SFK II im vieren Tabellenplatz resultiert. Ein gutes Endergebnis in dieser wirklich äußerst ausgeglichenen Liga!

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Ein guter Spieler hat immer Glück.

José Raoul Capablanca

Schachaufgabe

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