Weiter nach oben

Geschrieben am 09.11.2018 von Volker Gassmann

Jugendbundesliga: Die U20 gewinnt deutlich gegen Brackel II

Am Sonntag absolvierte unsere 1. Jugendmannschaft den zweiten Kampf der Saison gegen Brackel II. Diese standen nach einem 0:6 in der ersten Runde gegen die eigene Erste zwar auf dem letzten Tabellenplatz und waren uns nominell unterlegen, konnten aber an den hinteren Brettern durchaus mithalten.

Durch einen klaren Sieg verbessern wir uns in der Tabelle auf Rang 2, was einen Startplatz für die Deutsche Meisterschaft bedeuten würde. Nach dem gelungenen Saisonstart muss dies auch unser Saisonziel sein, das aber weiterhin viel Einsatz und ein wenig Glück erfordern wird.

Der Kampf begann insofern gut für uns, als Lukas an Brett 3 kampflos gegen Nicole Garbuz gewann: 1-0 erst nach 30 Minuten Wartezeit, denn der Brackeler Teamchef wusste nichts genaues. Die übrigen Partien verliefen zunächst recht ausgeglichen: Ein sehr komplizierter Sizilianer mit Schwarz bei Timo und ein vermutlich recht harmloses Londoner System von Yakub. Am besten gefiel mir Nikitas aktive Stellung, und auch Noel strebte aktives Figurenspiel an. Ganz kompliziert war der Sizilianer von Jonas an Brett 5. Hier hatte sich sein Gegner vermutlich genau vorbereitet und entkorkte mit Sc3-d5 das typische Scheinopfer um die e-Linie zu öffnen. Nach zu kurzer Überlegung antwortete Jonas mit Sxe4 und wurde nach Sc7+ prompt bestraft: Damenverlust für Figur + 2 Bauern. Hier schien also eine Niederlage unvermeidlich, allerdings wehrte sich Jonas nun verbissen und zeigte seine große Zähigkeit.

Unterdessen schien Yakub zunächst doch etwas besser aus der Eröffnung zu kommen, spielte aber zu früh e4, worauf Schwarz mit d5-d4 ausreichend Gegenspiel erhielt. Kurzfristig schien es nach Damentausch doch so, als ob Weiß Initiative am Damenflügel bekommen würde und die Chance hätte, dort einen Bauern zu gewinnen, aber bald waren auch die Damenflügelbauern abgeräumt. Bei weitgehend symmetrischer Bauernstellung (h2,g2,f4,e5 gegen e6,f7,g6,h7) sowie Turm plus schwarzfeldriger Läufer auf beiden Seiten schien der Remisschluss nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Inzwischen hatte aber Nikita mit einem schönen Scheinopfer bei weiterhin guter Stellung einen Bauern gewonnen und war auf der Siegesstraße. Noel gewann nach einem Fehler des Gegners eine Figur. Zwar ging diese wieder verloren, aber es blieben 2 Mehrbauern bei Noel. Der Sieg Nikitas zum 2-0 und Noels gute Stellung veranlassten Timo in nach wie vor komplizierter Stellung zu einem Remisangebot, welches der Gegner annahm: 2,5-0,5. Noel wehrte die geringe gegnerische Initiative leicht ab, gewann souverän und stellte den Sieg sicher: 3,5-0,5.

Jonas schaffte es tatsächlich, sukzessive Material zurückzugewinnen und ein Endspiel mit L + 2 Bauern gegen den Turm zu erreichen. Leider hatte der Gegner aber einen sehr starken Freibauern auf der a-Linie, den Jonas nur durch Opfer des Läufers stoppen konnte: Nur noch 3,5-1,5 für uns. Nach der verpatzten Eröffnung dennoch ein toller Kampf von Jonas!

Yakub manövrierte scheinbar ziellos, spielte aber nach Läufertausch im richtigen Moment f4-f5. Richtig, weil sein König aktiv stand und der Gegner in leichter Zeitnot zu einer Entscheidung gezwungen wurde. Hätte Schwarz zwei Mal auf f5 geschlagen, wäre das Remis im Turmendspiel unausweichlich gewesen. Statt desen gelangte nach e6xf5 und g4xf5 der weiße f-Bauern nach f6, wonach der Bf7 - und der schwarze König - im Turmendspiel sehr anfällig waren. Ob diese Stellung bereits verloren war, oder wie ich vermute mit genauem Spiel für Schwarz noch zu halten weiß ich nicht, aber jedenfalls war es ein völlig unnötiges Risiko für Schwarz. Ob Patrick Strack ermüdet war oder gar glaubte besser zu stehen blieb unklar; jedenfalls erwies sich Yakub im Endspiel als deutlich überlegen. Er wickelte nach weitern Fehlern von Schwarz in ein gewonnenes Bauernendspiel ab und gewann sicher zum 4,5-1,5.

Mit diesem verdienten, wenn auch mit dem kampflosen bzw. etwas glücklichen Siegen von Lukas und Yakub vielleicht einen halben Punkt zu hohen Sieg verbessern wir uns auf den zweiten Tabellenplatz, der jedoch in der nächsten Runde beim Auswärtsspiel gegen die sehr starken Porzer nur schwer zu verteidigen sein wird - aber vielleicht gelingt ja ähnlich wie gegen Bochum nun auch der erste Sieg der Jugend gegen Porz I!

Zurück

Bei einem Schachturnier muss sich der Meister vorstellen, er sei eine Kreuzung zwischen einem enthaltsamen Mönch und einem Raubtier. Ein Raubtier gegenüber dem Gegner, ein Asket im täglichen Leben.

Alexander Aljechin

Schachaufgabe

<<  <  >  >>
-