Wichtiger Sieg für SFK III

Geschrieben am 02.03.2020 von Volker Gassmann

Verbandsliga: SV Horst-Emscher – SFK 3 3,5:4,5

Durch einen wichtigen Sieg beim Tabellenzweiten der Verbandsliga, SV Horst-Emscher, ist SFK 2 in die Tabellenmitte vorgestoßen und kann bereits im nächsten Kampf den Abstieg endgültig verhindern.

Beide Mannschaften traten mit einem Ersatzspieler an, und so war Horst-Emscher nominell fast an allen Brettern überlegen. Die Eröffnungsphase verlief insgesamt gut für uns, wobei wir an den ersten 4 Brettern leicht unter Druck standen an den hinteren 4 Brettern jedoch klarere Chancen erarbeiteten:

Willy spielte gegen den starken Steven Baerwolf wie gewohnt seinen Grand Prix-Angriff und stand unklar. Erich in einem Caro-Kann sicher. Bei Werner hatte ich in der Eröffnung – natürlich f4 - gewisse Sorgen,  da der Lc1 sehr lange nicht entwickelt wurde, aber letztlich war es eine für ihn typische unklare Stellung. Noel stand in einem Franzosen etwas passiv aber solide. Jonas besaß als Weißer gegen Jürgen Göldenboog in einem Doppelfianchetto leichte Vorteile, der zuletzt sehr starke Topscorer Gerd Geerlings hatte mit seinem Zentrumsbauern auf e5 ebenfalls leichten Vorteil.

Sehr wichtig war die Partie von Bernd Sauer: Bernd, wioe so oft aus Polen angereist, schien als Weißer in einem Budapester Gambit die Theorie nicht so gut zu kennen und geriet unter Druck: König auf f2 und schwarze Dame auf h3. Bald zeigte sich aber, dass er genau gerechnet hatte und die schwarzen Figuren mit dem Vorstoß seiner Zentrumsbauern zurückwerfen konnte: Als dadurch eine Leichtfigur ersatzlos verloren ging, gab sein Gegner nach etwa 90 Minuten auf. Auch Ersatzspieler Jürgen Riesenbeck hatte in einem Abtausch-Franzosen Entwicklungsvorsprung und bei ungleichen Rochaden das etwas bessere Spiel.

Taktische Komplikationen

DiagrammNach ca. 2 Stunden wurde die Partie am ersten Brett taktisch sehr kompliziert: in der abgebildeten Stellung bot Steven Baerwolf mit Sf5? ein Qualitätsopfer an, besser waren jedoch Tbd8 oder das naheliegende h3 - jeweils eher mit schwarzem Vorteil. Nach der starken Ablehnung Sg1! stand jedoch Weiß besser, da h3 aus der Stellung genommen war und die weiße Dame nach g4 kam.

Unterdessen hatte Erich mit dem typischen Vorstoß c5 eine genau berechnete Abwicklung zu einem Endspiel mit Springer und Turm eingeleitet, in dem er mit b7 und b6 gegen a2,b2,c4 einen Doppelbauern hatte, der jedoch gedeckt durch seinen Sd7 gute Defensiveigenschaften hatte, wohingegen der schwarze Mehrbauer im Zentrum ihm optisch sogar leicht bessere Chancen bot. Gerd wiederum ergriff mit der Sprengung h7-h5 die Initiative und gewann bald einen Bauern.

In der folgenden Stunde verflachten jedoch die kleinen Vorteile an den hinteren Brettern und nacheinander wurde die Partien von Jürgen an Brett 8, Erich an Brett 2 und Jonas an Brett 5 Remis gegeben: Stand 2,5 : 1,5 für uns.

In der Zeitnotphase

Unterdessen spitzte sich in der beginnenden Zeitnotphase das Geschehen an allen Brettern weiter zu:

  • Willy opferte die Qualität gegen 2 Bauern, um dem Angriff auf der langen Diagonale a8-h1 endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen und selbst dem schwarzen König auf der anderen langen Diagonale a1-h8 anzugreifen.
  • Werners Gegner hatte dessen kurzzeitige Initiative am Königsflügel abgewehrt und kam mit einem Mehrbauern ins Turmendspiel.
  • Noels Gegner opferte 2 Bauern, um Linien gegen den schwarzen König zu öffnen, und
  • Gerd Geerlings schien ein wenig die Kontrolle über die Stellung zu verlieren. Der Gegner erhielt plötzlich Gegenspiel am Königsflügel und drohte in einigen Varianten mit dem vorgerückten g-Bauern eine Figur zu gewinnen. Insbesondere diese aus meiner Sicht plötzlich auf der Kippe stehende Partie ließ meinen Blutdruck steigen und mich meine Einwilligung in die Remis von Jonas und Jürgen innerlich verfluchen.

Noel verteidigte sich jedoch umsichtig: nach Damentausch gelang es dem Gegner zwar die beiden Türme auf die siebte Reihe zu bringen, aber mehr als Remis durch Dauerschach war nicht drin. Auch Gerd hatte die Stellung wohl besser beurteilt als ich – oder in der Zeitnotphase weniger Fehler begangen als sein Gegner, den plötzlich verblieb er in einem Turmendspiel mit einem sicheren Mehrbauern, der wegen seines gut zentralisierten Königs das Spiel schnell entschied. Willy wiederum tauschte die Damen – ich hätte sie auf dem Brett gelassen und erreichte mit dem starken Ld4 und unangreifbaren Bauern ein sicheres Remis. Leider musste sich Werner trotz Rückgewinn seines Minusbauern nach langem Kampf im Turmendspiel geschlagen geben. Sein König war am Brettrand in ein Matt netz verstrickt, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte.

Endstand also 4,5 : 3,5 gegen einen sehr starken Gegner. Nach der deutlichen Leistungssteigerung in den letzten Kämpfen gehe ich mit Optimismus in die beiden letzten Runden und traue der 3. Mannschaft einen Mittelplatz in der Abschlusstabelle zu.

 

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Dr. Savielly Tartakower

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