Bestürzt erfahren wir, dass unser langjähriges Mitglied Jürgen Riesenbeck am 24. August kurz vor Vollendung seines 81. Lebensjahrs verstorben ist. Mit ihm verlieren wir einen der letzten Mitspieler, die am Aufstieg unseres Vereins vom Vorortclub in den 60er Jahren zum Bundesligaverein ab 1981 persönlich beteiligt waren.
Jürgen Riesenbeck trat unserem Verein im Jahr 1962 bei und wurde schnell nicht nur ein starker Spieler, sondern engagierte sich auch im Vorstand - so bekleidete er u.a. auch das Amt des Jugendwartes. Für die Vereinszeitung, den Katernberger Schachspiegel, steuerte er stets geistreiche und lebendig geschriebene Berichte bei. Während seines Studiums an der damals noch selbständigen Pädagogischen Hochschule Kettwig lernte er Prof. Dr. Jürgen Henningsen kennen und lotste diesen in unseren Verein. Als Lehrer entdeckte er Johannes Blaskowski, der es bis ans Spitzenbrett unserer ersten Mannschaft bringen sollte. Wenig später kehrte er dem Lehrerberuf jedoch den Rücken, studierte Jura und startete eine Karriere in der Landesverwaltung, die ihn bis in das Amt des stellvertretenden Regierungspräsidenten führte. Auch in der Stadt- und Landespolitik war er eine einflussreiche Persönlichkeit, die jedoch nur selten im Rampenlicht stand. Noch nach seiner Pensionierung war er maßgeblich an der Rettung des in finanzielle Schieflage geratenen Kulturzentrums Zeche Carl beteiligt.
Als Pensionär hatte Jürgen wieder mehr Zeit für das Schachspiel. Insbesondere beim Seniorenschach zeigte sich, dass er wenig von seiner Spielstärke eingebüßt hatte. Schon 2007 hatte er das Politikerturnier in Berlin gewonnen, 2017 ließ er dann sogar den Sieg bei der Ruhrgebietsmeisterschaft der Senioren folgen.
Neben dem Schach hatte Jürgen noch zahlreiche weitere Interessen. Reisen und gutes Essen zählten sicher dazu - letzteres war unübersehbar. Dem Begriff "barocke Leibesfülle" verlieh er ganz neue Dimensionen. Die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme waren ihm nur zu bewusst, er setzte sich darüber aber mit einer Mischung aus purer Energie und Unbekümmertheit hinweg. Zuletzt habe ich ihn im Mai bei der Geburtstagsfeier von Karl-Heinz Hüttemann getroffen. Da lebte er inzwischen zwar im Pflegeheim, war zu der Feier aber "selbstverständlich" mit dem eigenen Auto angereist. Zuvor hatte er sich mit Rücksicht auf seine schwerst pflegebedüftige Frau Yvonne nur noch vormittags an Mannschaftskämpfen beteiligt und deshalb bei SFK VI aufstellen lassen. Jetzt, nach ihrem Tod, wollte er mit SFK III noch einmal auf Ruhrgebietsebene antreten - dazu hat er nun leider keine Gelegenheit mehr.
Das Foto entstand bei der Deutschen Seniorenmeisterschaft 2005, die unser Verein in Essen ausrichtete. Bei diesem Turnier spielte Jürgen Riesenbeck eine Glanzpartie, die Sebastian Siebrecht und Georgios Souleidis für ChessBase kommentiert haben: